T und ich tragen uns auch schon lange mit dem Gedanken, uns in einem Fitness-Center anzumelden, genauer genommen schon seit Jahren. Ich war schon mal in einem, aber da ich mich dort nicht wohl fühlte und mich allein generell schwerer aufraffen kann, war das nur ein kurzes Gastspiel. Seit Monaten haben wir nun hin- und herüberlegt und und diskutiert, welches Fitness-Center am besten geeignet wäre für uns, Bücher, Zeitschriften und Internetseiten durchsucht, Freunde gefragt usw. Ich hab mir einen Club gewünscht, der ein nettes Ambiente hat, da ich weiß, dass ich sonst nicht hingehe. Da ich maximal unsportlich bin, kommt für mich, zumindest für den Anfang und weiter bin ich ja nie gekommen, nur Radfahren in Frage, alles andere ist mir zu peinlich (Straucheln und Schwitzen beim Laufband, Krafttraining mit 2 kg usw.) Bloß keine Vorturner, ich bekomm die Bewegungen doch sowieso nie rechtzeitig mit. Und dieser Tonfall, eine Mischung aus Scientology und Kasernenhof, kann mir auch gestohlen bleiben.

Und für die langsamen Sachen bin ich nicht beweglich genug, kann nicht genug das Gleichgewicht halten etc.
Unlängst habe ich festgestellt, dass die einzige Gymnastik, bei der ich mich nicht geniere, Wassergymnastik ist. Da
a) komme ich nicht so ins Schwitzen und
b) sieht mich keiner. Hurra!
Aber Fitness-Center, die ein Schwimmbecken haben und daher Wassergymnastik anbieten können, sind selten und teuer, daher hab ich das eh abgeschrieben. Nur ein angenehmes Ambiente mit vielen Fahrrädern war mir wichtig.
T wünscht sich eine Mischung aus Kraft- und Konditionstraining ohne Schnickschnack. Bloß kein Lifestyle-Club, wo alle ihre gelifteten Körper spazieren führen. Nein, darum geht's nicht, und zum Sporteln zieht man seine ältesten Sachen an, denn sonst ist man sowieso nur Möchtegern-Sportler. (T kommt aus einer Familie von Sportfanatikern, er glaubt, das zu wissen.) Und das Wichtigste ist eine gute medizinische Beratung. (Dagegen hätte ich natürlich auch nichts.) - Naja, und dann ist da ja noch die Tatsache, dass wir so an der Armutsgrenze leben, die die Suche nach einem Fitness-Center auch nicht gerade vereinfacht.
(Mir soll jetzt bloß keiner vorschlagen, einen
USI-Kurs zu machen. Zwischen lauter SportstudentInnen und sportlichen Akademikern. Mehr Komplexe hatte ich bloß noch in der Schule.)
Uns graute vor der Vorstellung, eine teure Mitgliedschaft abzuschließen und dann nur dreimal hinzugehen. Nach langem Überlegen dachte T daran, zu
Kieser zu gehen, ich wusste nicht wohin, das von mir anvisierte Studio zu teuer war. Vor 2 Monaten haben uns dann Freunde erzählt, dass es im
Elixia die Möglichkeit gibt, eine Monatsmitgliedschaft abzuschließen und wir dachten, das klänge ganz gut.

Gestern hatten wir dann einen Termin für ein Beratungsgespräch im Elixia Millenium City. Das Umfeld ein Wahnsin, schlechter sortierte Buchhandlungen und hässlicher gestaltete, vollgeramschtere Shops habe ich noch nie gesehen, was die Massen nicht davon abhielt, von Geschäft zu Geschäft zu strömen und so den Eindruck der Überfülltheit noch zu verstärken.
Endlich den Lift gefunden, hinaus in luftige Höhen und über einen Steg zum Elixia, der mir trotz der Glaswände Höhenangst verursachte. Na gut.
Innen war es dann aber überraschend angenehm, schön eingerichtet, mit Blick über Wien (bzw. was man von dort davon sieht), hell, geräumig, sogar mit zwei Schwimmbecken. Und der Berater versuchte nicht, uns was anzudrehen! Das war bei meiner letzten Erfahrung ganz anders. Eine Viertelstunde später gingen wir wieder und waren echt positiv überrascht.
Als wir nach Hause kamen, fand ich ein Werbeschreiben von Kieser im Postkasten, das uns mitteilte, dass ausgerechnet an dem Tag der Tag der offenen Tür war. Wir beschlossen, Kieser auch noch eine Chance zu geben und fuhren hin.
Dort angekommen, schleppten wir uns die Treppe hinauf. Der Anblick machte uns sprachlos. Vor uns bereitete sich ein mittelgroßer Raum mit Fabrikshallenbeleuchtung aus, der Krafttrainingsgeräte enthielt, die anscheinend vor allem von PensionistInnen, Reha-PatientInnen benutzt wurden. Für mich war es ein Bild des Jammers. Und es sah so aus, wie T sein ideales Fitness-Center beschrieben hatte. Kein Schnickschnack, Konzentration auf das Wesentliche, fundiertes Programm ohne Schickimickis. (An jeder Maschine war aufgezeichnet, wie man sie benutzte und welche Muskelgruppen dadurch trainiert wurden.) Wir wanderten kurz durch und ich begann mir Sorgen zu machen, ob ihm das nicht besser gefallen würde. Doch als wir hinaus gingen, sagte er nur. "Du hast gewonnen. Ich hätte nie gedacht, dass mir das Ambiente wichtig ist."

Anmerkung: Die hier gezeigten Werbefotos geben das Ambiente von Kieser, das vor allem durch die unbarmherzigen Neonröhren gekennzeichnet ist, nicht angemessen wieder. Das kann man sich nicht vorstellen, wenn man nicht dort war.