Sonntag, 12. Oktober 2008

Whose space?

Apropos ideologische Durchleuchtung aller Lebensbereiche (siehe voriger Post):

Ich wollte eigentlich schon lange mal was über myspace schreiben, da ich mit Erschrecken feststelle, dass viele meiner Freund_innen, die sonst politisch nicht so unbeleckt sind, sich voll in den myspace-Hype stürzen (von dem andere wieder sagen, dass er so five minutes ago ist - ich weiß nicht). Wollte gerade im Internet dazu recherchieren und bin dabei auf den Artikel gestossen, der mich eigentlich darauf gebracht hat. Ist vor einem Jahr im Neon erschienen und zur Gänze online: His Space

Ergänzend dazu Wikipedia
Und der englische Wikipedia-Artikel

Dabei fällt es mir schwer, das anzuschneiden, wenn ich sehe, wie viel Freude die Leute mit ihren Myspace-Seiten haben Und vielleicht übertreibe ich auch, weil myspace ja ein Medium ohne vorgegebenen Inhalt ist so wie Blogger, Typepad oder Livejournal auch und es für die einzelnen User_innen keinen Unterschied macht, wem eine Seite gehört. Andererseits macht es mich schon skeptisch, wenn eine Seite z.B. atheistische User_innen zensiert und ich denke, mensch sollte sie nicht unterstützen. (Der Punkt der Willkürlichkeit, des Demokratiedefizits und der Zensur sowie das Ausspionieren der User_innen sind neben dem Noch-Reicher-Machen des ohnehin schon reichsten Konservativen weit und breit meine größten Probleme mit myspace.)

Andererseits sehe ich natürlich auch, dass Seiten, die es möglich machen, ohne technische Vorkenntnisse eine Webpräsenz zu etablieren, wichtig sind für die digitale Gesellschaft. Und ich sehe auch ein, dass myspace eine wunderbar einfache Möglichkeit für Bands ist, ihre Musik bekannt zu machen. Außerdem ist mir schon klar, dass mein Wettern über myspace zum Teil natürlich daran liegt, dass ich myspace persönlich nicht so mag, weil ich selten so inhaltslose, dafür optisch überladene Webseiten mit dämlichen Texten gesehen habe, die Content to bullshit ratio also imho deutlich geringer ist als bei Individualseiten oder bei Weblogs und das die Kritik an myspace meine ohnehin schon vorhandene Aversion nur verstärkt. Und ja, bevor ich andere kritisiere kann ich mich auch mal selbst bei der Nase nehmen und endlich Die Google-Falle oder ähnliches lesen. Habe ich mir aber eh schon vorgenommen.

Und welche Konsequenzen soll mensch ziehen? Seine eigenen Seiten programmieren und auf unabhängigen Servern platzieren, auf die man erst einmal draufkommen muss? Nach passender Open Source-Software suchen, die man a) erst mal finden muss und die b) zumindest bis jetzt meistens doch komplizierter ist? Klingt auch nicht nach der Lösung für breite Bevölkerungsschichten und Leute, die ihren Content ohne Einschulung ins Netz stellen wollen. Also mich.

Ein anderer Punkt ist, dass ich endlich mal eine andere Bücherseite verlinken sollte, aber erstens verwende ich keine andere, weil zweitens diese am praktischsten ist und am meisten Bücher und Informationen enthält. Das Motto müsste daher lauten, dort schauen, in der lokalen guten Buchhandlung kaufen. Aber über dieses Thema habe ich ja hier schon mal geschrieben.