Apropos ideologische Durchleuchtung aller Lebensbereiche (siehe voriger Post):
Ich wollte eigentlich schon lange mal was über myspace schreiben, da ich mit Erschrecken feststelle, dass viele meiner Freund_innen, die sonst politisch nicht so unbeleckt sind, sich voll in den myspace-Hype stürzen (von dem andere wieder sagen, dass er so five minutes ago ist - ich weiß nicht). Wollte gerade im Internet dazu recherchieren und bin dabei auf den Artikel gestossen, der mich eigentlich darauf gebracht hat. Ist vor einem Jahr im Neon erschienen und zur Gänze online: His Space
Ergänzend dazu Wikipedia
Und der englische Wikipedia-Artikel
Dabei fällt es mir schwer, das anzuschneiden, wenn ich sehe, wie viel Freude die Leute mit ihren Myspace-Seiten haben Und vielleicht übertreibe ich auch, weil myspace ja ein Medium ohne vorgegebenen Inhalt ist so wie Blogger, Typepad oder Livejournal auch und es für die einzelnen User_innen keinen Unterschied macht, wem eine Seite gehört. Andererseits macht es mich schon skeptisch, wenn eine Seite z.B. atheistische User_innen zensiert und ich denke, mensch sollte sie nicht unterstützen. (Der Punkt der Willkürlichkeit, des Demokratiedefizits und der Zensur sowie das Ausspionieren der User_innen sind neben dem Noch-Reicher-Machen des ohnehin schon reichsten Konservativen weit und breit meine größten Probleme mit myspace.)
Andererseits sehe ich natürlich auch, dass Seiten, die es möglich machen, ohne technische Vorkenntnisse eine Webpräsenz zu etablieren, wichtig sind für die digitale Gesellschaft. Und ich sehe auch ein, dass myspace eine wunderbar einfache Möglichkeit für Bands ist, ihre Musik bekannt zu machen. Außerdem ist mir schon klar, dass mein Wettern über myspace zum Teil natürlich daran liegt, dass ich myspace persönlich nicht so mag, weil ich selten so inhaltslose, dafür optisch überladene Webseiten mit dämlichen Texten gesehen habe, die Content to bullshit ratio also imho deutlich geringer ist als bei Individualseiten oder bei Weblogs und das die Kritik an myspace meine ohnehin schon vorhandene Aversion nur verstärkt. Und ja, bevor ich andere kritisiere kann ich mich auch mal selbst bei der Nase nehmen und endlich Die Google-Falle oder ähnliches lesen. Habe ich mir aber eh schon vorgenommen.
Und welche Konsequenzen soll mensch ziehen? Seine eigenen Seiten programmieren und auf unabhängigen Servern platzieren, auf die man erst einmal draufkommen muss? Nach passender Open Source-Software suchen, die man a) erst mal finden muss und die b) zumindest bis jetzt meistens doch komplizierter ist? Klingt auch nicht nach der Lösung für breite Bevölkerungsschichten und Leute, die ihren Content ohne Einschulung ins Netz stellen wollen. Also mich.
Ein anderer Punkt ist, dass ich endlich mal eine andere Bücherseite verlinken sollte, aber erstens verwende ich keine andere, weil zweitens diese am praktischsten ist und am meisten Bücher und Informationen enthält. Das Motto müsste daher lauten, dort schauen, in der lokalen guten Buchhandlung kaufen. Aber über dieses Thema habe ich ja hier schon mal geschrieben.
Sonntag, 12. Oktober 2008
Lazy Sunday Afternoon
Wie fast jeden Sonntag habe ich mir Unmengen von Dingen vorgenommen, die ich in der Wohnung, organisatorisch oder abrechnungstechnisch erledigen könnte und wie fast jeden Sonntag wird nichts draus. Da dies - dank Ladenschlusszeiten - der einzige wirklich freie Tag ist, wird er meist anders verbracht. Im heutigen Fall wird nicht mal das wirklich schöne Herbstwetter genutzt, sondern die Gelegenheit, die unzähligen Internetseiten, die ich schon lange besuchen wollte, anzuschauen.
1. Sozial-/Politporno
Seit mich gestern der Radiowecker mit der Meldung von Tod eines nicht ganz unbekannten österreichischen Politikers geweckt hat - sie kam so unerwartet, dass ich zuerst nicht sicher war, ob ich noch schlafe oder nicht - habe ich mehr Zeit als am Wochenende üblich mit dem Sehen von Fernsehbeiträgen und dem Lesen von Artikeln, Kommentaren und vor allem Postings verbracht. (Das Lesen von Postings ist überhaupt eine höchst eigenwillige Praxis, die man einmal soziologisch untersuchen sollte. Was bringt einen eigentlich dazu, endlose Postings von unbekannten Autor_innen zu lesen, bei denen man erst im Nachhinein oder gar nicht weiß, ob sie fundiert, intelligent, geistreich oder einfach nur blöd sind? Und wie ist das emotiale Engagement derer, die lesen, aber nicht posten (so wie meine Wenigkeit) und wie unterscheidet es sich von dem der Poster_innen? Lesen die eigentlich immer, was vor ihnen geschrieben wurde oder geht es denen teilweise nur darum, irgendwo ihren Senf dazu zugeben und auf sich aufmerksam zu machen? Und scheinbar gibt es Poster_innen, die einen Artikel kommentieren, ohne ihn gelesen zu haben - was soll das eigentlich???)
In vielen der Postings steht "R.I.P.", teilweise von vermutlichen Sympathisant_innen, aber auch von offensichtlichen Kritiker_innen. Es ist schon seltsam, wie man sich an seine politischen Gegner_innen gewöhnt, immerhin war der Blau-Orange eine der ersten politischen Gestalten, an die ich mich erinnern kann, "Haiders Kampf" von Henning-Scharsach das erste politische Buch, das ich mir mit zwölf, dreizehn Jahren gekauft habe. Die durch ihn entstandene oder zumindest weiter geförderte Polarisierung hat mich auch dazu gebracht, mich mit Politik zu beschäftigen, mich dafür zu interessieren. (Das ist nicht als Lob gedacht. Ich hätte mich in jedem Fall mit Politik beschäftigt, aber wäre ich in einer Zeit grauer Sonntagsreden aufgewachsen, hätte es vielleicht ein bisschen länger gedauert.) Als ich ein paar Jahre später in "linke" Kreise hineingeschnuppert habe, war gegen ihn und seine Politik zu sein etwas, auf das sich alle einigen konnten. Als dann 2000 die schwarz-blaue Regierung und die Gegendemonstrationen begannen, verstärkte die Person Haiders die Opposition gegen diese Konstellation sicher noch. Klar wäre jede rechte Regierung von linker und alternativer politischer Seite her abgelehnt worden, aber diese Figur des rechten "Führers", die bei vielen unterpriviligierten Menschen Begeisterungsstürme auslöst, hat die emotionale Reaktion noch viel stärker ausfallen lassen. Er konnte alles verkörpern, wogegen mensch ist. Und, ja, es macht natürlich mehr Spaß, gegen einen intelligenten und sehr geschickten Gegner in die Schlacht zu ziehen (sorry für die militärische Wortwahl), sich an Strache abzuarbeiten wird dagegen wesentlich frustrierender, auch wenn es möglicherweise sogar leichter ginge.
Apropos Strache: Ein Glaube, der in den 90ern immer irgendwie mitgeschwungen ist, war, dass Haider eine Ausnahmeerscheinung ist, dass es in seiner Partei keine Nachfolger gibt, dass niemand ihm das Wasser reichen kann. (War natürlich eine Nebenbotschaft seines eigenen Personenkults, die aber auch vom politischen Gegner_innen geglaubt wurde.) Die Idee, die dabei mitschwang war, dass die Erfolge der FPÖ nicht primär auf strukturelle Probleme und auf ohnehin in der Bevölkerung vorhandene Meinungen zurück zu führen waren, sondern auf seine Begabung, die Massen zu mobilisieren und zu manipulieren. Zehn Jahre später frage ich mich, ob das stimmt. Immerhin hat in der Zwischenzeit ein aalglatter und nicht gerade umwerfend politisch begabt wirkender Finanzminister seiner Partei seinen politischen Ziehvater in den Beliebtheitswerten überholt und der immer als hölzerne Kopie abgetane Strache erntet bei seinen Reden Reaktionen wie Haider in seinen besten Zeiten. Auch wenn das Wahlergebnis der FPÖ nicht an das von 1999 anschließen kann, ist es nicht auszuschließen, dass dies bei kommenden Wahlen noch geschieht. Auch Haiders Qualitäten als Stehaufmännchen, die von Kritiker_innen ungläubig beobachtet wurden - da gab es immer wieder Aufdeckungen, die mir jetzt aber nicht mehr alle einfallen, die ihn eigentlich zu Fall bringen hätten müssen, von seiner Abwahl als Landeshauptmann, den Besuchen bei Saddam Hussein oder zuletzt der Parteispaltung - sind gar nicht so verwunderlich, wenn man sie sich im internationalen Vergleich ansieht. Einem Le Pen oder auch einem Silvio Berlusconi werden auch eine Harakiri-Aktion nach der anderen verziehen, während andere nach einer Wahlniederlage politisch mausetot sind. Anscheinend ist es so, wie Blumenau in seinem Artikel schreibt und Widersprüche und auch Mißerfolge sind kein Problem, solange die Emotionalisierung aufrechterhalten werden kann. Und was bedeutet das jetzt für rot und grün? Tja.
Hier die Links zu den Artikeln, mit denen ich mir die Zeit vertrieben habe:
Der FM4-Artikeln mit Interviews mit Anneliese Rohrer und Lothar Höbelt zum Anhören. Und einer Reihe von teilweise nicht uninteressanten Postings.
Die FM4-Kurzmeldung mit den ersten Kommentaren
Standard-Artikel zum Thema: die Fakten plus ein Kommentar von Hans Rauscher
Ein sehr treffender Artikel von Martin Blumenau über das System Haider
Sowie ein Artikel über den Rechtsruck im Klassenzimmer, zu dem er verlinkt
Ein zweiteiliger Artikel von Blumenau über das Wahlverhalten der Unter-30Jährigen bei der NR Wahl:
Teil 1
Ich stimme dem Hinweis auf die Vergesslichkeit zu, finde auch den Teil über die Hooligans spannend, aber die Einschätzung der Jungen als unideologische Gruppe, die die Partei wählt, die cooler rüberkommt und auch die Conclusio des Artikels, dass man das Wahlverhalten nachvollziehbar ist, teile ich nicht. Ich denke, dass dabei die stark vorhandenen ausländerfeindlichen Ressentiments unterschätzt werden - das habe ich auch erlebt: in meiner Jugend zentrale Orte wie das Schwimmbad werden z.B. als "Tschuschenaquarium" abgewertet und nicht mehr besucht, es wird tatsächlich gewohnheitsmäßig "den Ausländern" an fast allem die Schuld gegeben, was einem nicht passt. Wenn die Ausländer einmal nicht als Sündenbock und Bedrohung geeignet sind, gibt es immer noch "die EU" (die ja auch alle Ausländer sind ;-) ). Dabei wird meiner Meinung nach ignoriert, dass man keine große historische Vorbildung braucht, um gegen diese verächtliche und ungute Ausländerfeindlichkeit zu sein.
Teil 2
Meine Gedanken dazu:
- ich muss mir auch wieder mehr Sitzungsübertragungen im Fernsehen ansehen. Man bekommt dadurch so unendlich viel mehr mit als durch Nachrichten oder kurze Zeitschriftenberichte.
- Nachdenklich macht mich der Teil über die Ideologiefreiheit der Rechten im Service-Bereich, erinnert an die Aktionsbereitschaft. Dadurch dass viele MitarbeiterInnen der rechten Parteien selbst ModernisierungsverlilererInnen und teilweise "einfache Leute" sind, kenen sie natürlich die Probleme besser als andere Parteien und können daher in Detailfragen durchaus Lösungen anbieten.
- Dass es sicher angenehm ist, sich nicht permanent darauf abklopfen lassen zu müssen, ob mensch eh p.c. genug ist, ist sicher angenehm. Es führt aber auch dazu, sich nicht hinterfragen zu müssen und dazu, dass irrationale, falsche oder vorurteilsbehaftete Ansichten lange bestehen und sich weiter ausbreiten können. Dass die Ideologisierung jedes Themas allerdings nerven kann, ist unbestritten, andererseits macht es von einem ideologischen Standpunkt aus natürlich Sinn (Globalisierungskritische oder feministische Ansichten erfassen nun mal alle Lebensbereiche). Wie man dieses Dilemme lösen kann, weiß ich nicht.
- ansonsten eine nette Bestandsaufnahme zum Thema, wie die anderen Parteien die jungen Wähler_innen zurückgewinnen könnten
2. Ich habe mir gestern den Baader Meinhof Komplex angesehen. Sehr actionreich und gar nicht so schlecht beim Zeichnen eines Stimmungsbilds, wobei ich das als Spätgeborene natürlich nicht beurteilen kann, wie authentisch das ist. Klar ist aber, dass man ohne Hintergrundinfos beim Betrachten des Films ziemlich aufgeschmissen ist. T hat sich das Buch dazu gekauft, darüber vielleicht in ein paar Tagen mehr. Vermutlich inspiriert von dem Film macht auch die i:da ein 10wöchiges Special mit Filmen und Dokus zum Thema "Deutscher Herbst", jeden Montag ab 20.30. Es hat letzte Woche angefangen mit "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" und ich freu mich schon darauf.
3. Und zum Abschluss noch was Unpolitisches:
Der Artikel, den ich schon die ganze Woche lesen wollte mit Empfehlungen von Matthias Keuschnigg für die Viennale
1. Sozial-/Politporno
Seit mich gestern der Radiowecker mit der Meldung von Tod eines nicht ganz unbekannten österreichischen Politikers geweckt hat - sie kam so unerwartet, dass ich zuerst nicht sicher war, ob ich noch schlafe oder nicht - habe ich mehr Zeit als am Wochenende üblich mit dem Sehen von Fernsehbeiträgen und dem Lesen von Artikeln, Kommentaren und vor allem Postings verbracht. (Das Lesen von Postings ist überhaupt eine höchst eigenwillige Praxis, die man einmal soziologisch untersuchen sollte. Was bringt einen eigentlich dazu, endlose Postings von unbekannten Autor_innen zu lesen, bei denen man erst im Nachhinein oder gar nicht weiß, ob sie fundiert, intelligent, geistreich oder einfach nur blöd sind? Und wie ist das emotiale Engagement derer, die lesen, aber nicht posten (so wie meine Wenigkeit) und wie unterscheidet es sich von dem der Poster_innen? Lesen die eigentlich immer, was vor ihnen geschrieben wurde oder geht es denen teilweise nur darum, irgendwo ihren Senf dazu zugeben und auf sich aufmerksam zu machen? Und scheinbar gibt es Poster_innen, die einen Artikel kommentieren, ohne ihn gelesen zu haben - was soll das eigentlich???)
In vielen der Postings steht "R.I.P.", teilweise von vermutlichen Sympathisant_innen, aber auch von offensichtlichen Kritiker_innen. Es ist schon seltsam, wie man sich an seine politischen Gegner_innen gewöhnt, immerhin war der Blau-Orange eine der ersten politischen Gestalten, an die ich mich erinnern kann, "Haiders Kampf" von Henning-Scharsach das erste politische Buch, das ich mir mit zwölf, dreizehn Jahren gekauft habe. Die durch ihn entstandene oder zumindest weiter geförderte Polarisierung hat mich auch dazu gebracht, mich mit Politik zu beschäftigen, mich dafür zu interessieren. (Das ist nicht als Lob gedacht. Ich hätte mich in jedem Fall mit Politik beschäftigt, aber wäre ich in einer Zeit grauer Sonntagsreden aufgewachsen, hätte es vielleicht ein bisschen länger gedauert.) Als ich ein paar Jahre später in "linke" Kreise hineingeschnuppert habe, war gegen ihn und seine Politik zu sein etwas, auf das sich alle einigen konnten. Als dann 2000 die schwarz-blaue Regierung und die Gegendemonstrationen begannen, verstärkte die Person Haiders die Opposition gegen diese Konstellation sicher noch. Klar wäre jede rechte Regierung von linker und alternativer politischer Seite her abgelehnt worden, aber diese Figur des rechten "Führers", die bei vielen unterpriviligierten Menschen Begeisterungsstürme auslöst, hat die emotionale Reaktion noch viel stärker ausfallen lassen. Er konnte alles verkörpern, wogegen mensch ist. Und, ja, es macht natürlich mehr Spaß, gegen einen intelligenten und sehr geschickten Gegner in die Schlacht zu ziehen (sorry für die militärische Wortwahl), sich an Strache abzuarbeiten wird dagegen wesentlich frustrierender, auch wenn es möglicherweise sogar leichter ginge.
Apropos Strache: Ein Glaube, der in den 90ern immer irgendwie mitgeschwungen ist, war, dass Haider eine Ausnahmeerscheinung ist, dass es in seiner Partei keine Nachfolger gibt, dass niemand ihm das Wasser reichen kann. (War natürlich eine Nebenbotschaft seines eigenen Personenkults, die aber auch vom politischen Gegner_innen geglaubt wurde.) Die Idee, die dabei mitschwang war, dass die Erfolge der FPÖ nicht primär auf strukturelle Probleme und auf ohnehin in der Bevölkerung vorhandene Meinungen zurück zu führen waren, sondern auf seine Begabung, die Massen zu mobilisieren und zu manipulieren. Zehn Jahre später frage ich mich, ob das stimmt. Immerhin hat in der Zwischenzeit ein aalglatter und nicht gerade umwerfend politisch begabt wirkender Finanzminister seiner Partei seinen politischen Ziehvater in den Beliebtheitswerten überholt und der immer als hölzerne Kopie abgetane Strache erntet bei seinen Reden Reaktionen wie Haider in seinen besten Zeiten. Auch wenn das Wahlergebnis der FPÖ nicht an das von 1999 anschließen kann, ist es nicht auszuschließen, dass dies bei kommenden Wahlen noch geschieht. Auch Haiders Qualitäten als Stehaufmännchen, die von Kritiker_innen ungläubig beobachtet wurden - da gab es immer wieder Aufdeckungen, die mir jetzt aber nicht mehr alle einfallen, die ihn eigentlich zu Fall bringen hätten müssen, von seiner Abwahl als Landeshauptmann, den Besuchen bei Saddam Hussein oder zuletzt der Parteispaltung - sind gar nicht so verwunderlich, wenn man sie sich im internationalen Vergleich ansieht. Einem Le Pen oder auch einem Silvio Berlusconi werden auch eine Harakiri-Aktion nach der anderen verziehen, während andere nach einer Wahlniederlage politisch mausetot sind. Anscheinend ist es so, wie Blumenau in seinem Artikel schreibt und Widersprüche und auch Mißerfolge sind kein Problem, solange die Emotionalisierung aufrechterhalten werden kann. Und was bedeutet das jetzt für rot und grün? Tja.
Hier die Links zu den Artikeln, mit denen ich mir die Zeit vertrieben habe:
Der FM4-Artikeln mit Interviews mit Anneliese Rohrer und Lothar Höbelt zum Anhören. Und einer Reihe von teilweise nicht uninteressanten Postings.
Die FM4-Kurzmeldung mit den ersten Kommentaren
Standard-Artikel zum Thema: die Fakten plus ein Kommentar von Hans Rauscher
Ein sehr treffender Artikel von Martin Blumenau über das System Haider
Sowie ein Artikel über den Rechtsruck im Klassenzimmer, zu dem er verlinkt
Ein zweiteiliger Artikel von Blumenau über das Wahlverhalten der Unter-30Jährigen bei der NR Wahl:
Teil 1
Ich stimme dem Hinweis auf die Vergesslichkeit zu, finde auch den Teil über die Hooligans spannend, aber die Einschätzung der Jungen als unideologische Gruppe, die die Partei wählt, die cooler rüberkommt und auch die Conclusio des Artikels, dass man das Wahlverhalten nachvollziehbar ist, teile ich nicht. Ich denke, dass dabei die stark vorhandenen ausländerfeindlichen Ressentiments unterschätzt werden - das habe ich auch erlebt: in meiner Jugend zentrale Orte wie das Schwimmbad werden z.B. als "Tschuschenaquarium" abgewertet und nicht mehr besucht, es wird tatsächlich gewohnheitsmäßig "den Ausländern" an fast allem die Schuld gegeben, was einem nicht passt. Wenn die Ausländer einmal nicht als Sündenbock und Bedrohung geeignet sind, gibt es immer noch "die EU" (die ja auch alle Ausländer sind ;-) ). Dabei wird meiner Meinung nach ignoriert, dass man keine große historische Vorbildung braucht, um gegen diese verächtliche und ungute Ausländerfeindlichkeit zu sein.
Teil 2
Meine Gedanken dazu:
- ich muss mir auch wieder mehr Sitzungsübertragungen im Fernsehen ansehen. Man bekommt dadurch so unendlich viel mehr mit als durch Nachrichten oder kurze Zeitschriftenberichte.
- Nachdenklich macht mich der Teil über die Ideologiefreiheit der Rechten im Service-Bereich, erinnert an die Aktionsbereitschaft. Dadurch dass viele MitarbeiterInnen der rechten Parteien selbst ModernisierungsverlilererInnen und teilweise "einfache Leute" sind, kenen sie natürlich die Probleme besser als andere Parteien und können daher in Detailfragen durchaus Lösungen anbieten.
- Dass es sicher angenehm ist, sich nicht permanent darauf abklopfen lassen zu müssen, ob mensch eh p.c. genug ist, ist sicher angenehm. Es führt aber auch dazu, sich nicht hinterfragen zu müssen und dazu, dass irrationale, falsche oder vorurteilsbehaftete Ansichten lange bestehen und sich weiter ausbreiten können. Dass die Ideologisierung jedes Themas allerdings nerven kann, ist unbestritten, andererseits macht es von einem ideologischen Standpunkt aus natürlich Sinn (Globalisierungskritische oder feministische Ansichten erfassen nun mal alle Lebensbereiche). Wie man dieses Dilemme lösen kann, weiß ich nicht.
- ansonsten eine nette Bestandsaufnahme zum Thema, wie die anderen Parteien die jungen Wähler_innen zurückgewinnen könnten
2. Ich habe mir gestern den Baader Meinhof Komplex angesehen. Sehr actionreich und gar nicht so schlecht beim Zeichnen eines Stimmungsbilds, wobei ich das als Spätgeborene natürlich nicht beurteilen kann, wie authentisch das ist. Klar ist aber, dass man ohne Hintergrundinfos beim Betrachten des Films ziemlich aufgeschmissen ist. T hat sich das Buch dazu gekauft, darüber vielleicht in ein paar Tagen mehr. Vermutlich inspiriert von dem Film macht auch die i:da ein 10wöchiges Special mit Filmen und Dokus zum Thema "Deutscher Herbst", jeden Montag ab 20.30. Es hat letzte Woche angefangen mit "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" und ich freu mich schon darauf.
3. Und zum Abschluss noch was Unpolitisches:
Der Artikel, den ich schon die ganze Woche lesen wollte mit Empfehlungen von Matthias Keuschnigg für die Viennale
Mittwoch, 8. Oktober 2008
Beziehungstipps bei amazon?
Irgendwie ist mir bisher entgangen, dass sich von allen Seiten ausgereichnet amazon.de zu einem Forum für Beziehungs- und Lebenstipps entwickelt hat. (Ist bei den internationalen Seiten whrscheinlich ähnlich.) Klar, die Voraussetzungen sind günstig: die Seite wird von sehr, sehr vielen Menschen benützt, es gibt gute Anfangspunkte für "Gespräche" (wie nennt man eigentlich dieses Hin- und Herschreiben, wenn's nicht in einem Chat ist?) und man stellt nebenbei seine Interessen und Einstellungen zur Schau und seine Bedürfnisse. Durch die Rezensionsfunktion kann man seinem Kommentar zu jedem Buch abgeben, dass in D/CH/Ö zu kaufen ist und durch Wunsch- und Empfehlungslisten erstellt man indirekt ein persönliches Profil. Trotzdem wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass Leute amazon zum Austausch über ihr Leben nützen so wie hier.
Und irgendwie scheinen es immer die gleichen Themen zu sein, die Menschen um Rat fragen lassen, die gleichen Antworten und die eigentlich erstaunliche Tatsache, dass es kaum allgemein anerkannte Autoritäten für solche Fragen gibt, oder warum sollte man sie sonst in die Weiten des Internets posten? Oder geht es eigentlich um etwas anderes, das simple Kommunizieren, Schreiben als Ersatz zum drüber Reden, wenn einem gerade niemand zuhört oder man bestimmte Dinge nicht mit Menschen besprechen will, die man kennt und mit denen man in drei Monaten auch noch zu tun haben wird? Seltsam, seltsam, ich wäre trotzdem nie auf die Idee gekommen, ausgerechnet amazon für diese Zwecke zu nutzen ...
Und irgendwie scheinen es immer die gleichen Themen zu sein, die Menschen um Rat fragen lassen, die gleichen Antworten und die eigentlich erstaunliche Tatsache, dass es kaum allgemein anerkannte Autoritäten für solche Fragen gibt, oder warum sollte man sie sonst in die Weiten des Internets posten? Oder geht es eigentlich um etwas anderes, das simple Kommunizieren, Schreiben als Ersatz zum drüber Reden, wenn einem gerade niemand zuhört oder man bestimmte Dinge nicht mit Menschen besprechen will, die man kennt und mit denen man in drei Monaten auch noch zu tun haben wird? Seltsam, seltsam, ich wäre trotzdem nie auf die Idee gekommen, ausgerechnet amazon für diese Zwecke zu nutzen ...
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