Sonntag, 17. Februar 2008

Schreib-Orte

Man kennt das ja, manchmal wird einem die eigene Wohnung einfach zu eng. Besonders wenn man etwas dringend erledigen muss. Besonders wenn man mit anderen Menschen zusammen wohnt. In den eigenen vier Wänden gibt es immer etwas, das einen ablenken kann. Die eigene Musiksammlung. Das Fernsehen, das Internet, Briefe oder Emails, um die man sich kümmern sollte. Und es gibt garantiert immer Grund zum Aufräumen.

Gerade wenn man eigentlich den ganzen Tag oder zumindest ein paar Stunden frei hätte, um Dinge zu erledigen, eine Arbeit zu schreiben, zu lernen, Texte zu lesen, etwas auszuarbeiten, dann ist die eigene Wohnung machmal der Ort, an dem das am schwersten ist, selbst wenn es zu anderen Zeitpunkten manchmal ganz ausgezeichnet funktioniert. Und dann ist die Zeit vorbei und man macht sich Vorwürfe, weil man zu wenig getan hat.

Außerdem vermittelt einem das Arbeiten daheim manchmal das Gefühl, nie wirklich Freizeit zu haben.

Als ich mich mit den Mitgliedern meiner Schreibgruppe immer wieder zum Diplomarbeit-Schreiben getroffen habe, haben wir begonnen, öffentliche Schreiborte zu suchen, an denen wir uns treffen können. Orte zum Lesen, zum Schreiben, zum Denken.

In der kalten Jahreszeit lassen sich die im wesentlichen in zwei Gruppen einteilen: Cafes und Bibliotheken. Die Vor- und Nachteile liegen auf der Hand. In einem Cafe wird es nie so ruhig und ungestört sein wie in einer Bibliothek, es ist teurer, und man muss die Materialien mitnehmen, während sie in einer Bibliothek oft vor Ort sind. Dafür kann man dort besser reden, rauchen und quälenden Hunger- und Durstgefühlen schneller entgegen steuern. Und manche mögen ein lebendiges Treiben um sie herum lieber als die Ruhe einer Bibliothek. Ein großes Minus in vielen Bibliotheken ist für mich, dass ich keine Taschen in die Lesesäle nehmen darf und daher gezwungen bin, meine teilweise ziemlich vielen Schreibutensilien und Unterlagen rauszusuchen und so rein zu tragen. Meistens vergesse ich dann etwas und muss noch mal raus. Positiv könnte man dazu aber auch sagen, dass das einen strukturierenden Effekt haben kann, da man sich vorher überlegen muss, was man machen will und die entsprechenden unterlagen raussuchen.

Bei den Öffnungszeiten ist es ziemlich unentschieden. Während extrem früh und extrem spät (vor 9 bzw. nach 21 Uhr, viele schon früher) sowie am Wochenende Bibliotheken geschlossen sind, sind viele Cafes zwar offen, allerdings zu Mittag und am Abend so voll und laut, dass sie als Schreiborte auch nicht geeignet sind. (Ausnahmen bestätigen die Regel.)

Während die Bedingungen, abgesehen von den Öffnungszeiten, in den meisten Bibliotheken ähnlich sind, unterscheiden sich die Arbeitsbedingungen in den Cafes doch stark. Daher haben wir uns gemeinsam aufgemacht und im Rahmen unserer Schreibtreffen immer wieder neue ausprobiert. Die Ergebnisse möchte ich in einer kleinen Serie zusammenfassen.

Ich beginne mal mit den Bibliotheken, weil die am einfachsten sind:

Lesesaal der Nationalbibliothek
Der Klassiker mit den besten Öffnungszeiten. Zentral gelegen, Steckdosen. Wenn man Glück hat, bekommt man einen Tisch mit einem schönen Ausblick. Mehrere Lesesäle, Kaffeeautomat, Tageszeitungen. Und es gibt eine Kantine im Haus, so dass z.B. fürs Mittagessen gesort ist.
Die Garderobekästchen funktionieren mit 2-Euro-Münzen.
Einziger Nachteil: Die Benutzung ist nicht kostenlos, man muss entweder eine Tageskarte zu 1,50 oder eine Jahreskarte für 10,-. Bei größeren Schreibprojekten zahlt sich das aber sicher aus.

Bibliothek in der Akademie der Bildenden Künste


Habe ich erst kürzlich entdeckt, sehr schöner Lesesaal und freundliches Personal. Tische mit Steckdosen. Man kann auch einzelne Kopien machen ohne eine Karte kaufen zu müssen.
Die Garderobekästchen funktionieren mit 1-Euro-Münzen.
Added Bonus: Sehr gute Cafeteria im Erdgeschoss während der ganzen Öffnungszeiten.

Hauptbibliothek am Urban-Loritz-Platz
Kein eigener Lesesaal sondern an den Rändern der Bibliothek Reihen mit Tischen, daher nicht ganz so ruhig wie in anderen Lesesälen, aber auch nicht extrem laut. Vorteil: Man muss seine Sachen nicht abgeben, für etwas unorganisiertere Naturen daher besser geeignet.
Kulinarische Versorgung: Es gibt ein Restaurant am Dach, das sprengt die Börse aber ziemlich (weiß nicht, wie es mit Mittagsmenüs aussieht). Die Terasse ist wegen des Windes, der meistens dort geht, auch nicht gut zum Schreiben geeignet. Es gibt aber viele Kebab- und Würstelstände in der Gegend und der Running-Sushi-Laden in der Lugner-City hat sogar den Standard-Test gewonnen und da sieht das Preis-Leistungsverhältnis zumindest tagsüber unter der Woche deutlich besser aus. Dafür hat das Canetti natürlich die bessere Lage ...

Lesesäle in der Hauptbibliothek der Uni Wien
Verschiedene Lesesäle, einige moderne, ein alter, sehr großer, der schon imposant aussieht. Bin nie wirklich warm damit geworden, je weiter es vom Garderobenkastel zum Lesesaal ist, umso mehr sinnlose Kilometer muss ich machen, daher nervt mich das immer. Auf jeden Fall sehr gut besucht. Die Öffnungszeiten (unter der Woche bis 21.45, am Samstag bis 18 Uhr) sind auch ungeschlagen.

Bibliothek des Instituts für Soziologie
Sehr unkompliziert, man kann seine Sachen in einen Spind hängen, muss aber nicht, dafür gibt es keinen eigenen Lesesaal, sondern Tischreihen, innerhalb der Bibliothek. Das macht das Ganze natürlich ein bisschen lauter (geht aber schon) und besonders am Nachmittag kann's dann auch recht voll werden. Tages- und Fachzeitungen liegen auf und sogar eine Kinderecke gibt es! Und sehr nettes, kompetentes Personal, das einem gerne weiter hilft.

Bibliothek des Instituts für Anglistik
Kein eigener Lesesaal, sondern Tischreihen innerhalb der Bibliothek, sehr ruhig, da das Bibliothekspersonal streng darüber wacht. Die Wände und die Regale sind ganz in weiß gehalten, hat dadurch und durch die Ruhe eine fast schon medidative Wirkung auf mich, kann mich kaum irgendwo anders so gut konzentrieren.
Jacke und Taschen darf man nicht mit hinein nehmen, es gibt die Möglichkeit, sie im Regal beim Eingang zu deponieren oder in einem Spind einzuschließen. Schlüssel dafür bekommt man gegen Vorlage des Studentenausweises.
Es gibt einen Kaffee- und Getränkeautomaten vor der Bibliothek, aber drinnen sind Getränke nicht erlaubt. Wie in allen anderen Bibliotheken übrigens auch nicht. Wem das nicht zusagt, dem bleiben eben nur Cafes.

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