
habe ein Referat über den Text "Der oppositionelle Blick" von bell hooks gehalten.
hooks, bell. „Der oppositionelle Blick“, hooks, bell. Black Looks: Popkultur, Medien, Rassismus, Berlin 1994, S. 145-165.
Sehr spannender Text, in dem sie auf das Verhältnis afroamerikanischer Frauen zum Mainstream-Film eingeht, darauf, wie sie dargestellt wurden und werden und insbesondere auf ihre Position als Betrachterinnen, die sich von der weißer Frauen und der afroamerikanischer Männer unterscheidet.
Anders als Laura Mulvey in ihrem Artikel "Visuelle Lust und narratives Kino" (1975) strebt sie nicht die "Zerstörung der visuellen Lust" an, also die Zerstörung der Lust am Betrachten von Mainstream-Filmen, nachdem mensch erkannt hat, wie sie mit diskriminierenden Klischees die patriarchale Vorherrschaft fördern. Statt dessen plädiert sie für eine andere Lust am Betrachten, eine, die nicht durch Identifikation entsteht, sondern durch kritisches Sehen, Diskutieren, die Lust am Nein-Sagen und am Widerstand gegen den herrschenden Diskurs. Und führt dabei Beispiele aus ihrem Leben und ihrem Umfeld an.
Ist einerseits ein guter Ansatz und erhöht die Wahrscheinlichkeit, Leute anzusprechen, schließlich ist hooks nicht nur Wissenschafterin, sondern auch politische Aktivistin. Sehr angenehm ist auch ihr konkreter, leicht verständlicher Schreibstil, der geeignet ist, ein breites Publikum zu erreichen, aber akademische Leser_Innen auch nicht langweilt. Außerdem ist es immer sehr angenehm, wenn Philosoph_Innen oder Kulturwissenschafter_Innen von Beobachtungen ausgehen, anstatt sich zu 90 % auf abstrakte, verallgemeinernde, ahistorische (und womöglich noch unbewiesene) Theoriegebäude, wie z.B. die Psychoanalyse zu stützen.
Informationen zum Leben und Werk von bell hooks gibt es hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bell_hooks
http://en.wikipedia.org/wiki/Bell_hooks
und hier ein Video mit einigen ihrer Überlegungen
http://www.youtube.com/watch?v=I0whHz7PLGY
Sie schließt ihren Artikel mit einer Analyse einiger Werke von kritischen afroamerikanischen Filmemacherinnen. Ich war ziemlich enttäuscht, als ich feststellte, dass es von den Regisseurinnen, die sie in ihrem Artikel erwähnt hat, nur eine in den Videotheken meines Vertrauens (81/2 und alphaville) gibt, und von dieser gibt es nur einen Film (Julie Dash: Daughters of the Dust in der alphaville). Da ist Wien doch noch recht schlecht ausgestattet. Als ich darüber nachdachte, fiel mir auf, dass sich auch die Viennale, die sich doch immer wieder allen möglichen eher vergessenen Ecken der Filmlandschaft widmet, noch nie (bzw. nicht in den 10 Jahren, an die ich mich erinnern kann) etwas über afroamerikanische Regisseurinnen gemacht hat. Männliche afroamerikanische Regisseure, ja. Weibliche nein. Da ist der oppositionelle Blick wirklich bitter nötig.
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