
"Als die USA in den Irak einmarschiert sind, gab es die größten Antikriegsdemonstrationen in jeder Stadt auf der ganzen Welt. Hat das irgendeinen Unterschied gemacht? Das legt nahe, dass diese riesigen Demonstrationen nicht die politischen Entscheidungen beeinflussen. Aus diesem Grunde muss man sich fragen: Was bringt was?
Um ein anderes Strategie-Bespiel zu geben: Lange herrschte Zweifel, ob in den Genozid in den Flüchtlingscamps in Darfur eingegriffen werden sollte. Nun hatten berühmte SchauspielerInnen wie Mia Farrow und Richard Gere die brilliante Idee, kleine Fernseh-Spots über China zu machen, weil China so lange die internationalen Entscheidungen blockierte. Rate, was passierte! Die chinesische Regierung wollte wegen der Olympiade nicht in Verlegenheit gebracht werden ... Ich will damit sagen, dass in diesem historischen Moment, in diesem Kontext, diese politische Strategie angebracht war." (Abigail Solomon-Gdeau, Kunsthistorikerin und Universitätsprofessorin, NY, in einem Interview in an.schläge 09/2007)
Die Erkenntnis, dass Demonstrationen als Protest nicht besonders wirkungsvoll sind, kaum zu einer Änderung beitragen, hat wohl jede DemonstrantIn schon mal ereilt. Das ändert nichts daran, das Demos wichtig sind, um ein Zeichen des Widerstands zu setzen, aber es stellt sich doch die Frage, wie effizienter eingegriffen werden kann, um nicht unnötig Ressourcen zu verschwenden. Manchmal ist ein bezahlter Fernsehwerbespot effizienter als der "Druck der Straße", er ist allerdings auch mit einem weit größeren finanziellen und organisatorischen Aufwand verbunden (ok, wirklich große Demos können da wohl mithalten). Auch mit der Basisdemokratie wird es da schwierig, schließlich müssten sich alle, oder zumindest einige, auf den Inhalt einigen usw.
Habe einen Artikel über www.moveon.org gelesen. Einer ihrer Strategien am Anfang war z.B. durch massiges Senden von Emails an Senatoren, bzw. massives Anruen, ihre Server und Telefonzentralen zu überlasten und sie so, zumindest kurzfristig handlungsunfähig zu machen. So spüren sie den Protest direkter als durch eine Demonstration im fernen Washington. Auf der anderen Seite nützt sich das natürlich auch schnell ab und sie finden Möglichkeiten, diese Proteste zu umgehen, bzw. zu überwinden, aber es ist mal eine nette Idee und in einer gewissen Weise auch basisdemokratisch: wenn man sich mit dem Inhalt des Emails nicht identifiziert, schickt man es eben nicht ab oder ändert es ab. - Im Moment sammel sie gerade Geld, um u.a. einen Spot gegen die Präsidentschaftskandidatur Giulianis ins Fernsehen zu bringen. Mal sehen, ob's was nützt.
Ich möchte in diesem Blog gerne andere Formen des Protestes zusammentragen. Wenn euch etwas einfält, nu zu!
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